Märchenhütte Berlin – Perlen vor beschwipste Säue

11. Dezember 2014 - Theater

Die Märchenhütte im Berliner Monbijoupark ist längst kein Geheimtipp mehr. Die Karten für die winterlichen Märchen in den urigen Hütten sind bereits ausverkauft, bevor der Spielplan, also die abendliche Märchenauswahl, überhaupt feststeht. Nach dem letzten Besuch vor einigen Jahren ergatterte ich wieder ein paar Karten und stützte mich ins Abenteuer, dass sich bald als Gruselgeschichte herausstellen sollte.

Auf dem Program standen um 22:30 Uhr zwei Märchen der Kategorie U18. Hänsel und Gretel als morbide Kanibalenfabel und Dornröschen als leicht surreale Puppenspielerfantasie. Doch so gern ich über die sehr einfach, aber auch sehr, sehr liebevoll gespielten Märchen und die leidenschaftlichen Schauspieler schreiben würde, die Bühne wurde leider von anderen Figuren gekapert. Daher nur kurz zum eigentlich Wesentlichen, nämlich den Stücken und Schauspielern: Ihr wart großartig, vielen Dank!

Doch die eigentlichen Schauermärchen spielten an Nebenschauplätzen. Grimmige Kassendamen und zickiges Wachpersonal eröffneten den Abend und ließen einen Teil der Vorfreude in Luft aufgehen. Die halbstündige Verspätung war noch das kleinste Problem und wurde vom Organisationsteam freundlicherweise mit kostenlosen Glühwein ausgebügelt. Im Nachhinein allerdings ein zweifelhafter Schachzug, weil der Alkoholpegel einiger Zuschauer offensichtlich schon das Niveau des letzten Elbe-Hochwassers erreicht hatte. Und so kam es, wie es kommen musste. Dämliche Zwischenrufe, hysterisches Gekicher an den unpassendsten Stellen und unerträgliche Unruhe. Nur das beherzte Eingreifen des Barpersonals verhinderte am Ende mögliche Handgreiflichkeiten, nachdem eine Dame einen offensichtlich stark beschwipsten Herren sehr lautmalerisch dazu aufforderte, seine an die böse Königin aus Dornröschen gerichteten sexuellen Fantasien doch bitte für sich zu behalten.

Könnte glatt ein eigenes Kapitel in den Grimm’schem Schauermärchen erhalten das Ganze. Wirklich Schade um die liebevolle Arbeit des Ensembles, aber offenbar kann man sich sein Publikum nicht aussuchen. Sollte ich nächstes Jahr wieder gehen, werde ich mich um frühere Uhrzeiten bemühen in der Hoffnung auf deutlich geringer alkoholisierte Besucher. Das wäre wirklich märchenhaft.

www.maerchenhuette.de

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