Konzertkritik: Henrik Schwarz, Bugge Wesseltoft, Dan Berglund – Trialogue

4. November 2014 - Musik und Nachtleben

Trialogue @ Boiler Room Amsterdam

Bild: Trialogue @ Boiler Room Amsterdam

Die Fusion von klassischen Instrumenten und elektronischen Beats ist ein Minenfeld. Die Versuchung des 4/4 Taktes ist für viele Künstler offensichtlich zu groß und so werden Klavier, Trompete, Violine und Co im Spannungsverhältnis der beiden Musikstile oft zu Samples herabgesetzt, während der kopfnickende Beat alles unter sich begräbt. Bugge Wesseltoft, Henrik Schwarz und Dan Berglund umgehen auf ihrem Album Trialogue diese Gefahr scheinbar mühelos und spielen im Radialsystem V in Berlin im Rahmen der UM:LAUT Veranstaltungsreihe ein beeindruckendes Release Konzert.

Fingerspitzengefühl
Das musikalische Fingerspitzengefühl der drei ist natürlich kein Zufall. Wesseltoft ist erfolgreicher Jazz Pianist, der bereits früher mit dem elektronischen Musikkünstler Henrik Schwarz zusammen gearbeitet hat. Bassist Dan Berglund ist Mitglied des fast schon legendären Esbjörn Svenson Trios.

Zusammen entsteht der musikalische Trialogue. Wesseltoft spielt neben seinem Klavier auf weiteren analogen und elektronischen Instrumenten, Berglunds Bass ist räumlich und akustisch so etwas wie das Herz des Trios. Schwarz hingegen mischt und arrangiert mit Hilfe seines Computers die Klänge und ist die Schaltzentrale des Ensembles. Wie er in einem Interview betont, liegt sein Interesse vor allem darin, den Computer durch moderne und besonders schnelle Software als eigenes Instrument zu nutzen. Es gelingt. Das Apfel-Logo seines Laptops spiegelt sich im schwarz-glänzenden Korpus von Wesseltofts Flügel.

Bandbreite
Natürlich gibt es Stücke, die stark zur elektronischen Seite neigen und das Publikum auf ihren Stühlen unruhig werden lassen. Doch die Künstler fürchten auch atonale Passagen und unharmonische Klänge nicht. Über Minuten haben die Songs Zeit sich zu entwickeln. Scheinbar schiefe Töne und Rückkopplungen mischen sich zu einem stimmigen und teilweise ergreifenden Gesamtbild. Am Ende überzeugen dennoch die ruhigeren Titel einen Hauch mehr. Den Gesichtern der drei Musiker, allen voran Bassist Dan Berglund, ist ihre Leidenschaft in jedem Moment anzusehen. Die Leidenschaft für die Musik unabhängig von der Beschaffenheit des Instrumentes. Der Trialogue ist mehr als nur die Summe seiner Einzelteile.

Live
Als einziges Manko des Abends muss man das leise, aber vernehmliche Grundrauschen der Boxen nennen. Bei der vielen Technik und Mikrofonen kein Wunder und auch nicht schwerwiegend. Ein Preis, den man bereitwillig zahlt für ein Live-Erlebnis, das man sich auf Tonträger gepresst nur schwer vorstellen kann. Ein Einblick gibt die Boiler Room Aufnahme im Rahmen des diesjährigen Amsterdam Dance Events. Wer die Chance hat das Trio live zu erleben, der sollte diese aber unbedingt wahrnehmen.

› tags: Boiler Room / Jazz / Konzert /

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