Konzertkritik Noel Gallagher’s High Flying Birds in Berlin

17. März 2015 - Musik und Nachtleben

Oasis ist Geschichte. Das ist aus verschiedenen Gründen auch gut so, aber natürlich erinnert man sich gerne an Legenden, orientiert sich an Originalen und zitiert sie. Gewollt oder ungewollt. Noel Gallagher weiß das. Schon zu Oasis Zeiten kokettierte er damit, stark von den großen Beatles, Stones und Pistols inspiriert worden zu sein. Trotz unüberhörbaren Ähnlichkeiten zu Oasis zeigt das Konzert in der Berliner Max Schmeling Halle, dass Noel und seinen High Flying Birds ein eigenes, großes Ding gelungen ist.

Noel eben

Nach wenigen Songs hat Noel die gut gefüllte Halle im Griff. Everybody’s on the Run mit seiner Mischung aus Echo-Effekten und klassischen BritPop Elementen zieht die Leute unnachgiebig in seinen Bann. Die leider ansonsten bestenfalls als funktionell zu bezeichnenden Visuals bringen hier einen Hauch von Psychedelic Rock auf die Bühne.

Lakonisch wie immer wendet er sich ans Publikum und kündigt nun Songs seines neuen Albums an. „I’m gonna play some songs of my new album now, my least favorite.“ Nur um den Leuten danach ein In the Heat of the Moment an den Kopf zu knallen, für das man sich keinesfalls entschuldigen braucht. Wer den schnodderigen Briten will, der bekommt ihn auch. Die Fans lieben ihn sowieso und bedanken sich mit guter Stimmung und viel Applaus.

Auf der Suche nach Gestern

Natürlich spielt der Titel des Albums Chasing Yesterday mit der Reminiszenz an Noels Vorgängerband. Der Einfluss ist durchweg greifbar. Zahlreiche Parkaträger mit Gallagher Gedächtnis-Frisuren tummeln sich auf dem Konzert. Der Gänsehaut-Moment in der Mitte des Abends scheint dann doch das überragende Champagne Supernaova aus den alten Zeiten zu sein, auch wenn das anschließende Ballad of the Mighty I des neuen Albums wie eine Kampfansage wirkt.

Oasis ist halt Gesetz. Und Noel? Auch der ist über jeden Zweifel erhaben, dafür ist die Qualität seiner Songs einfach zu gut. Klar, manchmal will er zu viel und einzelne Stücke wirken etwas zu unruhig. Dann wünscht man sich für einen kurzen Moment die Abgeklärtheit von Oasis und die klare Stimme von Bruder Liam zurück, nur um sich spätestens bei If I had a Gun im Geiste tief vor Noel zu verbeugen, dessen zeitlose Qualität die Jagd nach der Vergangenheit überflüssig macht. Say it loud and sing it proud.

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