Kampf der Könige: Macbeth vs. Richard III und Eidinger vs. Matthes

8. April 2015 - Theater

Die Berliner Theaterlandschaft und ihre Grabenkämpfe – der tägliche Battle um Aufmerksamkeit, Respekt, Subventionen und politische Anerkennung. Amateurbühnen gegen Staatstheater, Kritiker gegen ungeliebte Häuser, gefühlt jeder gegen jeden. Weil ich im Grunde aber ein einfacher Theatergänger und -fan bin, fehlt mit sowohl die Larmoyanz einiger Kritiker als auch die Sucht nach Selbstdarstellung von Theatermachern. Ich gehe ins Theater, wenn mich etwas interessiert, und sehe mit offenen Augen und Geist, was mir geboten wird.

Einen (indirekten) Zweikampf auf dem Schlachtfeld der Berliner Kulturlandschaft konnte ich jedoch nicht übersehen: der Shakespeare’schen Battle seiner beiden Bösewichte Macbeth und Richard III., Deutsches Theater gegen Schaubühne, Ulrich Matthes gegen Lars Eidinger. Zwei teuflische englische Könige, zwei große Berliner Bühnen, zwei ausgezeichnete deutsche Schauspieler. Ring frei!

Doch wie soll ich das alles vergleichen? Der zurückhaltende Matthes, der mit dem Zucken einer Augenbraue auch im hintersten Teil des Saales Gänsehaut auslöst, unterscheidet sich grundlegend von Eidingers brachialer Präsenz, in der zwar auch immer etwas von Eidinger selbst mitschwingt, aber deshalb nicht weniger beeindruckend ist. Das Ensemble müht sich in beiden Inszenierungen redlich, muss sich gegen Eidinger etwas mutiger behaupten – und gewinnt so an Tiefe. Bei Bühnenbild und Atmosphäre ist die Schaubühne mit ihrem halbrunden, elisabethanischen Theater dem Holztunnel des DT jedoch deutlich voraus.

Also Punktsieg für Richard? Nicht so schnell: Macbeth wirkt etwas runder. Richard bleibt mit seinen Ecken, Kanten und Buckeln jedoch länger in Erinnerung. Gutes Theater ist beides. Da nur vergleichen kann, wer beide Stücke gesehen hat, stehen dem Zuschauer zwei sehr unterhaltsame Abende bevor. Und um ein letztes Mal die Sportwelt heranzuziehen: Als fairer Schiedsrichter sollte der Besucher vor Beginn alle theaterpolitischen Vorlieben und Filter fahren lassen. Das Spiel, das er dann miterlebt, ist großartig – egal, welcher tote König am Ende „gewinnt“.

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