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Die Givebox – Guerilla Sharing

23. August 2011 - Fundstücke

In Zeiten des globalen Filesharing-Krieges, des Cloud-Computing, Altkleider-Maschinerien und Auktionsplattform-Konzernen ist das analoge, nachbarschaftliche und uneigennützige Verschenken in Vergessenheit geraten. In Berlin wurde nun ein kleiner Stein ins Rollen gebracht, der vielleicht etwas auslösen könnte: die Givebox.

In unserem Konsumwahn haben wir genug Dinge angehäuft, die wir schon lange nicht mehr brauchen, und aus Bequemlichkeit versauern diese in Kartons auf Dachböden und werden, wenn sie es nicht auf den Flohmarkt schaffen, einfach weggeschmissen. Die Givebox schließt hier also nicht nur die Lücke zwischen Zaun und Hauswand… Einfach Dinge geben und andere gegeben bekommen.

Sharing is caring. Ressourcenschonend, nachbarschaftlich und lokal, anonym und trivial. Die Nachhaltigkeit wird der Idee wird sich allerdings noch beweisen müssen, nicht zu letzt wegen des fraglichen legalen Status ihres Aufstellungsortes. Welche Lawinen die Idee lostreten wird, ist daher noch nicht abzusehen, vielleicht wird die Idee durch eine Flut von Rechtsklagen hinweggespült, vielleicht zugemüllt oder ausgeraubt oder anderweitig missbraucht. Und hier ist die Givebox in ihrer Trivialität doch auf ihre Art und Weise politisch.

Die Givebox ist grundsätzliche bedingungslos. Hier steht nichts außer Frage, hier hat man das Recht alles zu erproben außerhalb jeglicher ökonomischer Zwecken und Interessen. Ihre Unabhängigkeit ist so absolut, dass nicht einmal diese immer feststeht. Um eine Passage eines bekannten Denkers umzuschreiben, könnte man sagen, dass die Givebox sowohl “bedingungslos” als auch “unbedingt” ist, sie ist daher auch in gewisser Weise macht- und wehrlos. “Weil sie gänzlich unabhängig, ganz auf sich gestellt ist, bleibt die [Givebox] auch eine schutzlos preisgegebene, einzunehmende, zuweilen zur bedingungslosen Kapitulation verurteilte Festung. Weil sie es nicht duldet, dass man ihr Bedingungen aufzwingt, ist sie, blutleer und abstrakt, manchmal gezwungen, sich bedingungslos zu ergeben.” (Derrida – Die unbedingte Universität)

Ihre Souveränität als abstraktes und manchmal blutleeres Symbol schöpft sie teilweise genau daraus, aus der Schaffung einer Bedingung der Möglichkeit. Doch andererseits lebt sie auch vom Blut und Schweiß der Mitmenschen, Helfer, Geber und Nehmer. Wir sind in der Verantwortung und es ist zu spät um Pessimist zu sein.

www.givebox.net

› tags: Fundstücke / Kunst / Utopie /

Comments

  1. […] 6th, 2011 Heute wollen wir Euch auf ein außergewöhliches Thema aufmerksam machen: Die “GIVEBOX“. Die erste Givebox steht (natürlich) in Berlin, an der Steinstrasse 37b im Bezirk Mitte. […]

  2. […] Botschaft verkündet, ward sie getragen hinaus in die weite Welt von Hamburg bis nach Wien, ward medial in aller Munde. Denn „Geben ist seliger als Nehmen.“ Der Siegeszug der Givebox war […]

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