Amphitryon im BE als lauwarmer Herrenwitz

2. Dezember 2014 - Theater

Katharina Thalbach inszeniert wieder am Berliner Ensemble und nach dem überraschend amüsantem „Was ihr wollt“ vor zwei Jahren war Amphitryon fest vermerkt im Theaterkalender. Im Vergleich dazu – und auch für sich genommen – ist der Abend allerdings eine Enttäuschung.

Natürlich weiß man um die Vorlieben von Thalbach, ihr bunter und lauter Inszenierungsstil mag nicht jedermanns Sache sein. Man weiß und liebt es. Doch im neuen Stück sind die Witze leider so lauwarm, die Handlung zu vorhersehbar und originelle Inszenierungseinfälle so selten, dass es mir kaum mehr als ein müdes Lächeln entlockt.

Krise der Identitäten
Vor einem allerdings überragenden Bühnenbild (Momme Röhrbein) – mit Papp-Olymp im Hintergrund und allerlei bunten Details – bemühen sich die Schauspieler merklich. Allen voran Martin Seifert als unerträglich lüsterner Jupiter, dessen infantiler Sexdrang echten Ekel erzeugt. Bravourös gespielt, doch fragt man sich nach den sexistischen Zoten, ob das vergnügte Publikum oder der eigene Brechreiz als Maßstab dienen sollte. Humor und Feingefühl bleiben wohl Geschmackssache.

Alkmene (Laura Tratnik) ist das naive und irgendwie holzschnittartige Objekt der Begierde, Amphitryon (Guntbert Warns) ihr verwirrter und ebenfalls etwas blauäugiger Gatte ohne Durchsetzungskraft. Merkur (Raphael Dwinger) als androgyner Götterbote der Wandler zwischen den Welten und Geschlechtern. Sosias (Martin Schneider) und Charis (Anke Egelsmann), beide Diener des Herrscherpaares, sind in ihren Rollenbildern gefangen und bemühen eine klassisch gestrige, aber überzeugend gespielte Paarästhetik.

Die Götter verwandeln sich in Menschen und spielen ihr böses Spiel mit den Ahnungslosen bis niemand mehr weiß, wer er oder sie in Wirklichkeit ist oder sein soll, obwohl niemand je mehr als eine blasse Skizze auf Papier war. Tiefe Charaktere sind Fehlanzeige. Doch wenn auch die Komik nicht zu überzeugen weiß, wird es zäh.

Lustloser Klamauk
Was bleibt von dem kurzen, nicht mal zweistündigem Abend? Nicht viel. Soundeffekte wie aus einem Bud Spencer Film, aber nur halb so rustikal und liebevoll. Identitätskrisen, die man den Figuren kaum abnimmt, vielleicht eine kleine Spiegelszene mit lebendem Spiegelbild, die Laune macht. Die ständigen Verwechselungen der Götternamen (aus Merkur wird Hermes, aus Jupiter Zeus) sind ein netter Einfall, der allerdings nicht weiter ausgeführt wird.

Dem fortgeschrittenen Alter des Publikums und dessen Applaus nach zu urteilen, hat Thalbach den richtigen Ton getroffen. Trotz des Umstandes, dass es auf der Bühne wenig Theater zu sehen gibt, sondern eine lauwarme Revue mit schnulzig-musikalischen Ergüssen. Ja, es wird tatsächlich auch gesungen und wohl nur der fehlenden Pause war es zu verdanken, dass ich das Theater am Schiffbauerdamm nicht in dieser verließ.

Dass auch die Kritiker recht positiv gestimmt waren, während sie das um ein vielfaches interessanter inszenierte „Was ihr wollt“ meist zerrissen, stürzt wiederum mich in eine Identitätskrise. Aber weil ich mich daran erinnere, wer ich bin und welchen Sinn für Humor und Theater ich habe, nur in eine ganz, ganz kurze.

www.berlinerensemble.de/repertoire/titel/107/amphitryon

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